Mythen rund ums Trockenfutter

Trockenfutter macht satt:
Die Theorie besagt nicht nur, dass Trockenfutter deutlich besser sättigt als Nassfutter

oder
Rohfleisch, sondern vor allem, dass durch das längere Kauvergnügen auf den harten Briketts
ein schnelleres Gefühl der Sättigung eintritt, was vor allem bei übergewichtigen Hunden von
Vorteil sein soll. Auch die für den Hundekörper schwere Verdauung von Getreide und
Kohlenhydraten wird hier angeführt, um ein längeres Gefühl der Völle zu bestätigen.


Und natürlich stimmt das auch – Trockenfutter füllt den Magen. Aber gleichzeitig sollte man
betrachten, mit was es den Magen füllt, nämlich mit zahlreichen Nährstoffen, die für den
Körper eines Karnivoren absolut nicht hilfreich sind und zu großen Teilen nicht einmal
verwertet werden können. Dementsprechend stimmt auch das Argument, Trockenfutter
würde sättigen, nur sehr begrenzt – denn schließlich wird der Hunger im Organ selbst zwar
beseitigt, der Körper jedoch zahlreichen Mangelerscheinungen ausgesetzt. Das ist nun
wirklich nicht das, was man unter „satt“ verstehen sollte.



Trockenfutter sorgt für gute Zähne:


Bereits weiter oben sind wir schon näher darauf eingegangen, was Trockenfutter mit dem
pH-Wert des Speichels anstellt und welchen negativen Einfluss es somit auf die Zähne
nimmt. Das ist jedoch längst nicht alles, denn sowohl Händler, als auch Tierärzte behaupten
immer wieder, die harten Briketts hätten eine abreibende Wirkung am Zahn. Sieht man sich
jedoch den Aufbau des Gebisses von einem Hund an und führt sich die Tatsache vor Augen,
dass mit den Zähnen selbst härteste Knochen gebrochen und gekaut werden können,
erscheint gepresstes Trockenfutter im Vergleich eher wie ein luftiger Keks.


Dementsprechend gering ist auch die Abriebwirkung von Trockenfutter. Hinzu kommt, dass
der gepresste Brei im Maul des Tieres wieder flüssig wird und sich in den
Zahnzwischenräumen anheftet. Durch den enthaltenen Zucker in Form von Kohlehydraten
und Getreide entsteht der ideale Lebensraum für Bakterien, die wiederrum für
ausgesprochen unangenehme Gerüche (Mundgeruch), Entzündungen am Zahnfleisch sowie
der Bildung von Taschen und Zahnstein sorgen.


Dies lässt sich auch in einem einfachen Selbstversuch testen, in dem man auf einen harten
Keks beißt und anschließend die Reinigungswirkung auf dem Zahn betrachtet – Zähneputzen
ersetzt man so jedenfalls nicht. Wer beim Hund also auf eine gute Zahnpflege achtet, sollte
diesem stattdessen lieber frische Knochen anbieten, denn die davon ausgehende
Abriebwirkung hat tatsächlich einen positiven Einfluss auf die Zahngesundheit.


 Günstiger in der Anschaffung:


Natürlich ist Trockenfutter weitaus günstiger als Nassfutter oder die Fütterung von Rohfleisch. Primär
hängt dies mit den deutlich billigeren Inhaltsstoffen zusammen, die während der Produktion zum
Einsatz kommen. Bedenkt man jedoch den Mangel an verdaulichen Inhaltsstoffen und die damit
einhergehenden Mangelerscheinungen und Folgeerkrankungen, ist Trockenfutter auf Dauer
deutlich teurer als Nassfutter oder
Rohfleisch es ist – Tierarztkosten müssen
einkalkuliert werden, aber auch die Menge
des benötigten Futters.
Außerdem muss der Hund deutlich
größere Mengen verspeisen, um mit
minderwertiger Nahrung satt zu werden –
bei Trockenfutter wird dies nur durch die
aufquellende Wirkung des Getreides
verhindert. Wirklich satt ist das Tier jedoch
nicht, lediglich die Organe sind gefüllt.
Länger haltbar, einfach in der Lagerung
Die lange Haltbarkeit und einfache Lagerung von Trockenfutter ist natürlich tatsächlich ein Vorteil,
dem man nur schwer widersprechen kann. Dennoch sollte man sich natürlich die Frage stellen, ob
der Vorteil groß genug ist, um die zahlreichen Nachteile ignorieren zu können – denn was bringt eine
lange Haltbarkeit, wenn der Inhalt ohnehin nicht allzu hochwertig ist?
Ferner steigt natürlich mit einer langen Haltbarkeit und einfachen Lagerung auch das Risiko
eines Befalls mit Schimmelpilzen. Auch die in dem Trockenfutter enthaltenen Milben könnten,
sofern der Sack oder Beutel mit Trockenfutter in der Nähe von Lebensmitteln gelagert wird, auf die
menschlichen Lebensmittel übergreifen und auch diese befallen.
Von den Auswirkungen der chemischen Konservierungsstoffe auf den Hunde Körper wollen wir
nicht erst anfangen, dass können Sie weiter oben lesen.


Hunde fressen geringere Portionen:


Das ist natürlich korrekt – durch die aufquellende Wirkung von Trockenfutter im Magen verspeist der
Hund deutlich geringere Portionen. Gleichzeitig sollte man jedoch einkalkulieren, dass ohnehin in
den verfütterten Mengen schon kaum sinnvolle Inhaltsstoffe vorhanden sind, sodass es auf Dauer
zu einer Unterversorgung mit Nährstoffen kommen wird. So profitiert man zwar finanziell von den
geringeren Portionen, der Hund dagegen wird auf Dauer durch die Mangelernährung ernsthafte
Schäden erleiden.

Mein Hund trinkt doch genug:


Dabei handelt es sich um den vermutlich größten Irrglauben im Bereich des Trockenfutters. Die
Faustregel besagt, dass ein durchschnittlicher Hund mit gewöhnlichem Energielevel pro Tag ungefähr
100 ml Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen soll. Frisst der Hund jedoch
Trockenfutter, steigt der Bedarf ca. auf die vierfache Menge an, um den Entzug von Wasser aus dem
Körper des Tieres zu verhindern.
Dementsprechend müsste ein 15 kg schwerer
Hund ca. 6 Liter Wasser am Tag trinken, um auf
die benötigte Menge zu kommen – was
natürlich völlig utopisch ist. Dementsprechend
ist der Körper des Tieres permanent einer
Unterversorgung mit Wasser ausgesetzt, was
schwere Schäden an den Nieren, aber auch
Blasensteine und Entzündungen im Körper mit
sich bringen kann.


Mein Hund mag eben kein Nassfutter:


Vor allem wenn man seinem Hund schon viele Jahre Trockenfutter gefüttert hat, ist der Übergang zu
Nassfutter meist sehr schwer – insbesondere die sensorischen Lockstoffe, die in hochwertigem
Nassfutter nicht vorhanden sind, machen den Vierbeiner förmlich abhängig und sorgen dafür, dass er
sich nicht mehr für anderes Futter interessiert.
Dies hat jedoch nichts damit zu tun, dass der Hund das Futter schätzt – er ist lediglich darauf
konditioniert. Dennoch gibt es einige Tricks, mit denen man den Hund an
hochwertiges Nassfutter oder Barf gewöhnen kann: nämlich mit kleinen Schritten. Zunächst mischt
man dem bisherigen Trockenfutter kleine Mengen Nassfutter bei und steigert diese beständig, bis
der Hund auch den Verzehr von Nassfutter akzeptiert. Auch ein vorheriges Einweichen des
Trockenfutters in Wasser kann helfen.


Hunde lieben Nassfutter:


Ganz anders sieht es aber bei den Vorlieben des Hundes aus. Denn Hunde lieben in den meisten
Fällen Nassfutter, während das Trockenfutter auch gerne mal verschmäht wird. Der Grund dafür ist
einfach. Nassfutter entspricht von der Konsistenz viel eher dem natürlichen Futter eines Hundes. Es
riecht für ihn besser, es ist leichter zu fressen und schmeckt daher zumeist einfach besser. Gerade
wenn ein Hund krank ist, Probleme mit den Zähnen hat oder älter wird, ist Nassfutter viel besser für
ihn geeignet. Darüber hinaus enthält Nassfutter, wie der Name sagt, einen hohen Anteil an Wasser.
Dieses Wasser entzieht der Hundekörper aus dem Nahrungsbrei. Es sorgt für eine geregelte
Verdauung. Tiere, die zum ersten Mal Trockenfutter erhalten, entwickeln nicht selten Verstopfung,
bis sich die Verdauung an das Futter gewöhnt. Zudem ist es gerade für Tiere, die nicht gerne oder zu
wenig trinken, deutlich gesünder, wenn sie zusätzliche Flüssigkeit durch das Futter erhalten.

Nassfutter ist bei Übergewicht ideal:


Mein Hund soll tagsüber nicht hungern
Viele Menschen sind der Meinung, dass der Hund tagsüber Hunger hat und permanent
Trockenfutter zur Verfügung brauch, um sich nicht während der Abwesenheit seiner Besitzer
zu quälen. Betrachtet man jedoch die Gegebenheiten in der Wildnis stellt man schnell fest,
dass der Wolf auch nicht ständig ein Beutetier zur Verfügung hat, wenn ihm gerade der Sinn
danach steht – zudem die Tatsache, dass ein Hund auch mal drei Wochen gänzlich ohne
Nahrung auskommen kann. Dementsprechend ist es vollkommen überflüssig, dem Hund den
ganzen Tag Futter zur Verfügung zu stellen. Regelmäßige Mahlzeiten ein- bis zweimal am Tag
genügen völlig.


Viele Hunde werden trotz Trockenfutter alt:


Natürlich ist Trockenfutter kein Todschlags-Kriterium. Viele Tiere können auch trotz des
Fütterns von Trockenfutter sehr alt werden. Aber wer weiß – vielleicht wären sie mit
hochwertigem Nassfutter noch deutlich älter geworden? Wie bei uns Menschen das
Rauchen oder der Verzehr von Junkfood nicht zwangsläufig zu einem raschen Tod führt, so
gilt dies ebenso für Trockenfutter bei Hunden. Doch möchte man das Risiko wirklich
eingehen, wenn selbst Studien belegen, dass gesund ernährte Hunde durchschnittlich drei
Jahre älter werden?


Trockenfutter hilft gegen Durchfall:


Ein weiteres, gängiges Argument besagt, dass Trockenfutter der ideale Helfer gegen
Durchfall ist. Das ist natürlich auch korrekt – Durchfall kann nur dann entstehen, wenn
ausreichend Flüssigkeit im Körper vorhanden ist, die den Kot weichmacht. Da Trockenfutter
jedoch mehr Flüssigkeit entzieht als dem Körper hinzugefügt wird, kann der Kot folglich nicht
mehr aufweichen. Doch dies ist absolut kein Wundermittel gegen Durchfall, denn dieser hat
meist völlig andere Ursprünge, die mit dem Verfüttern von Trockenfutter
lediglich unterdrückt werden.
So verhindert das Füttern von
Trockenfutter zwar die Symptome,
bekämpft aber mitnichten den
Ursprung des Durchfalls. Ferner sorgt
die trockene Konsistenz nur noch für
ein zusätzliches Austrocknen des
Körpers – mehr als Durchfall allein es
könnte.

Rasse- und altersbedingtes Trockenfutter:


Eine weitere, dubiose Erscheinung des Marktes rund um Trockenfutter sind verschiedenste
Spezialfuttersorten, die wahlweise auf das Alter, die Rasse oder gar die Fellfarbe des Hundes
abgestimmt sind. Dies setzt voraus, dass jeder der Hunde völlig andere Bedürfnisse hat, die nicht mit
seinem Ursprung, sondern eher seiner jetzigen Rasse bzw. dem Alter zusammenhängen.
Betrachtet man jedoch in freier Wildbahn lebende Tiere, stellt man schnell fest, dass dies jeglicher
Grundlage entbehrt. Die Fellfarbe hat natürlich absolut keinen Einfluss auf die Bedürfnisse des
Tieres. Selbiges gilt auch für beinahe jede Hunderasse – ausgenommen sind hier ausschließlich
Wind- und Schlittenhunde, die jedoch generell nicht mit industriell verarbeitetem Futter gefüttert
werden sollten, da sie vollkommen andere Bedürfnisse haben als herkömmliche Hunderassen.
Auch das Alter hat nur bedingten Einfluss auf die Bedürfnisse der Tiere – ein Welpe braucht natürlich
deutlich größere Mengen als ein ausgewachsenes Tier, mitnichten jedoch andere Inhaltsstoffe. Wenn
man also auf hochwertiges Futter mit idealen Inhaltsstoffen zurückgreift, spielt es schlicht keine
Rolle, welcher Rasse der Hund angehört oder welches Alter er hat.

Die verschiedenen
Spezialisierungen sind lediglich ein Trick der Industrie, um die Futterabsätze zu erhöhen und einen
breiteren Markt zu bedienen.


Fazit: Trockenfutter besser für den Menschen – Nassfutter
besser für das Tier.